Wortakrobat singt Loblied auf die "Kurpälzer"

01.03.2010 - Südhessen Morgen - Ja - de {Aller}Ärgschd

Christian "Chako" Habekost begeistert rund 800 Zuschauer in der Hans-Pfeiffer-Halle mit seinem neuen Programm "De (Aller)Ärgschd"

Lampertheim. "Frieher hätt's des net gewwe" würde der alte Weinfestbesucher sagen, dass man in Lampertheim über jemanden, "dä wu vunn iwwer de Holland kimmt, so lache duut." Doch Christian alias "Chako" Habekost riss die rund 800 Zuschauer in der Hans-Pfeiffer-Halle mit seinem gerade zwei Wochen alten Programm, "De (Aller)Ärgschd" zu Lachsalven hin.

Der Mann mit dem verschmitzten Charme, dem es gelingt, das gern als ordinär verschmähte, kurpfälzische Idiom salonfähig zu machen, nahm das Publikum vom ersten Moment an für sich ein. Der gebürtige Mannheimer stimmte unter dem Motto "Ohne Kurpälzer geht nix" ein wahres Loblied auf die Region und die hiesige "Schprooch" an. Er zeigte spirituelle Wege aus der Krise auf und berichtete über Streitigkeiten mit em heimwerkenden Nachbarn am neuen Wohnort Bad Dürkheim. Das Publikum wurde flugs in eine Selbsthilfegruppe für männliche Hypochonder integriert und bekam erklärt, wie sich die Pfälzer heute noch an den Franzosen für den Erbfolgekrieg rächen: indem sie ihren Kindern französische Vornamen geben, die sie dann in Mundart aussprechen wie "Schaggeline".

Alle wurden durch den Kakao gezogen: Nicht-Kurpfälzer, Politiker, Lehrer, pinsende Banker - und erst recht die "Dumpfdohlen des Fernseh-Undertainments", mit denen Wortakrobat Christian Habekost wahrlich nichts gemein hat. Die Pointen des promovierten Sprachwissenschaftlers sind geistreich, treffsicher und originell, ganz nebenbei streut er Namen wie Lieselotte von der Pfalz oder auch Hieronymus Bosch ein ("hat nichts mit der Waschmaschine Ihrer Frau zu tun"), um zu zeigen, wie die Hölle für Dieter Bohlen aussehen könnte.

Er rappt sich durch seinen Programmtitel "de (Aller)Ärgschd", erklärt seinen Zuhörern, was das Wort "arg" etymologisch überhaupt bedeutet, und schafft es manchmal nur mit einem Gesichtsausdruck oder einer Geste das Publikum zum Losprusten zu bringen. Habekost füllt die Bühne allein mit seiner überwältigenden Präsenz. Einziges Hilfsmittel ist eine kleine Puppe mit der er einem imaginären Kind (vergeblich) Sprachunterricht erteilt.

Nach diesem über zweistündigen Verbalangriff auf die Lachmuskeln erschien "Chako" als Zugabe als Kultfigur: Prediger "Reverend Samuel Lucas Lovemachine" wandte sich in Pfenglisch - einer Mischung aus Pfälzisch und Englisch - an seine "Gemeinde of Loambadde", um sie über Missstände in Politik und Gesellschaft aufzuklären. Halleluja!

Man muss dem Weinfestbesucher ganz entschieden widersprechen: Früher war eben nicht alles besser. Früher gab es nämlich noch keinen Chako Habekost.