"Loser Germaniens" und "Ostfriesen Süddeutschlands" werden die Eingeborenen laut Christian Habekost genannt. Ein "schlechtes Leumaul" hatten sie schon immer, und zu lustvoll-krassen Selbstbezichtigungen neigen sie wohl auch bereits seit langem.
Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Denn die Pfälzer können auch ganz anders: Mit bisweilen rätselhaftem Überschwang finden sie dann bei sich so gut wie alles "superer" als bei den anderen. Sie haben ja auch einiges, was Eindruck schinden kann: die längste Weinstraße der Welt, die größte S-Bahn-Ausschreibung Europas, und und und. Ein sonderbarer Mix aus - manchmal übergroßem - Stolz und - manchmal übergroßem - Minderwertigkeitskomplex scheint diese Pfälzer Christian Habekost zufolge auszumachen. Daran ist gewiss manch Wahres.
Rechtsrheinisch stellt sich die Sache ähnlich dar. "Magnet Mannheim" heißt es hier zwar immer wieder, aber was bleibt davon letzten Endes übrig? "Keiner will da hin, doch alle bleiben daran kleben - jedenfalls beim Umsteigen im Hauptbahnhof", zieht Habekost sein Resümee. Und jetzt soll selbst noch das in Frage stehen, wegen Hartmut Mehdorn und dem dräuenden Verlust an ICE-Präsenz. Da packt den echten (Kur-) Pfälzer die blanke Wut, und er verwandelt sich zum "Palatinator", der mit Schwarzenegger-mäßig prallen Muskeln Bahnchef Mehdorn körperlich verwarnen will.
Der Mann vom "wilden Stamm der Pfälzer" zeigt ansonsten eine wirkungsvolle Mischung aus direktem, oberflächennahen Witz und tieferer Bedeutung. Das gilt auch für die Passagen, die sich mit dem Gegenbild zum eher schlampigen und irgendwie halt doch genialen Eingeborenen befassen: dem pedantisch-putzwütigen Schwaben. Dieser will, warnt Habekost, sein ärgstes Folterinstrument, die Kehrwoche, jetzt auch in hiesige Regionen exportieren. Dabei könne man die Freizeit doch viel sinnvoller verbringen, etwa auf den Pfälzer Wein- und "Abfüllfesten", wo inzwischen selbst der "Schadde nei" - auch Chardonnay genannt - zum Ausschank komme.
Ja, die Pfälzer Sprache mit ihrer Konkret- und wohl dosierten Derbheit. Die von "worxe" spricht und nicht von "würgen", wo es "babbe" heißt statt "kleben". Mit der Leidenschaft des Linguisten rückt ihr Habekost zu Leibe. Er liebt dieses Idiom wirklich. Und das Publikum, egal, ob eingeboren oder zugezogen, liebt die Mundart-Show von Habekost und jubelt.
Christian Habekost : Presse : Seite 8 : Vom wilden Stamm der Pfälzer