Presse

Mundartistische Selbstreflexion "vunn do"

15.02.2010 - Mannheimer Morgen - Jörg-Peter Klotz - de {Aller}Ärgschd

Kabarett: Christian „Chako“ Habekosts Premiere mit „De Allerärgschd“ wird im ausverkauften Capitol mehrfach bejubelt

Gesundes Verhältnis zur „Metropolreligion“: Christian „Chako“ Habekost, der das kurpfälzische Treiben neuerdings von der Weinstraße aus verfolgt. BILD: RINDERSPACHER
Gesundes Verhältnis zur „Metropolreligion“: Christian „Chako“ Habekost, der das kurpfälzische Treiben neuerdings von der Weinstraße aus verfolgt. BILD: RINDERSPACHER

Christian „Chako“ Habekost hat seine Ziele erreicht. Nicht nur, dass die Zuschauer der offiziellen Premiere seines zehnten Programms „De Allerärgschd“ gestern Abend im ausverkauften Capitol am Ende ausgiebig jubeln (wie schon das Morgencard-Publikum bei der exklusiven Vorpremiere am Vorabend). Ihm ist auch wieder einmal der schwierige Spagat gelungen, die Vorzüge der Region und seiner Bewohner mit Feuereifer über den grünen Wein zu loben („die Pfalz ist nicht die Toskana Deutschlands, sondern die Toskana ist die Pfalz Italiens“) und trotzdem seinen kurpfälzischen Landsleuten kritisch den Spiegel vorzuhalten.

Mundartistische Selbstreflexion „vunn do“ ist die Methode, die der promovierte Philologe gern in semantisch schillernde Begriffe wie „Lokalpatr(id)iotismus“ oder „Metropolreligion Rhein-Neckar“ gießt. Dieses Mal ist das Hauptmotto „De Allerärgschd“, das Habekost bis zu seinen germanischsten Wurzeln herunterdekliniert, um zu demonstrieren, wie sonnige kurpfälzische Gemüter etwas, das ursprünglich schlimm, böse oder schlecht heißt, positiv umzudeuten wissen. So werden die Allerärgsten zu den Allergrößten. Und wir seien schon so „medimeran“, dass eigentlich gleich hinter Lützelsachsen das Mittelmeer beginnt.
Wobei der Dialekt den meisten „Außergewärtigen“ zu arg ist, bis zum Ohrenbluten. Dem setzt „Chako“ schon früh im Programm einen seiner fulminanten Mundart-Raps entgegen, mit dem flammenden Bekenntnis „Isch bin vunn do“.

"Sin äfach nur die Allerallerärgschde"

05.02.2010 - Schwetzinger Zeitung - ch - de {Aller}Ärgschd

In der Festhalle: Christian "Chako" Habekost mit der Premiere seines neuen Programms "De Allerärgschd" / Drei ausverkaufte Veranstaltungen

Nicht bloß ein bisschen Habekost, sondern gleich dreifach Programmpremiere von ihm gibt es in der Festhalle, die an allen Abenden ausverkauft ist.
Dreifach ausverkaufte Programmpremiere in Brühl. Bild: Lenhardt

Brühl. "Mir sin ned unbedingt die Beschde vun de Stärkschde, mir sin äfach nur die Allerallerärgschde", da ist sich Christian "Chako" Habekost schnell und hörbar mit seinem Brühler Publikum einig. Und das bedeutet für den Künstler, der immer wieder elegant zwischen Kabarett und Comedy wechselt, auch, zur Premiere seines neuen Programms in der Brühler Festhalle "des Aller-ärgschde" zu probieren. Zum Auftakt heißt das: zweieinhalb Stunden Unterhaltung zwischen Schenkelklopfer und Tiefsinnigem. Halt zwischen den Polen für Jeden etwas. Das könnte schnell in flachwitziger Beliebigkeit enden, doch Habekost gelingt das Kunststück, die Extreme meisterlich zu vereinen und letztlich ein gelungenes neues Programm aus einem Guss zu präsentieren.

De Allerärgschd

05.02.2010 - Meier - iw - de {Aller}Ärgschd

Christian Chako Habekost / Neues Jahr – neues Programm: Der kurpfälzischste unter den Kabarettisten hat seinen Landsleuten wieder sehr genau auf’s Maul geschaut. „De Allerärgschd“ (der Allerärgste) ist dabei herausgekommen. MEIER hatte vier Fragen.

meier Haben Sie die Krise bisher gut überstanden?

christian habekost Ich kann nicht klagen. Die Leute haben zwar weniger zu lachen, aber wenn schon, dann wollen sie ihr Zwerchfell richtig über die Ohren gezogen bekommen – auf einem gewissen Kur-/Pfälzer „Ni-wo“, versteht sich. Und da kommt de Chako anscheinend gerade recht. Nee, aber im Ernst: Ich glaube schon, dass die Leute genauer drauf gucken, wo sie ihr Geld ausgeben. Und da haben es regional zentrierte Künstler glaub’ ich leichter – do weeß ma nämlisch was ma hot!

meier Kriegt denn auch die Tigerentenkoalition im neuen Programm ordentlich Honig um den Mund geschmiert?

habekost Nee. Also wirklich, dafür ist mir die Zeit zu schade. Das ist so ähnlich wie damals, als de Bimbes-Meeschder Kohl an die Macht kam und später, als Angies Hairstyle ganze Comedy-Programme leergefüllt hat. Mir sind die größeren politischen Zusammenhänge wichtiger. Beispiel: Warum sind Scharfschützen der Bundeswehr heute besser ausgerüstet als ABC-Schützen an deutschen Grundschulen?!

Wider die Krise und das Dummgebabbel

04.02.2010 - Morgen Magazin - Jörg-Peter Klotz - de {Aller}Ärgschd

KABARETT: Interview mit Christian „Chako“ Habekost zu seinem zehnten Solo-Programm „De Allerärgschd“

Seit dem hochdeutschen „Wellnässer“ von 2003 kann sich Christian Habekost auf kabarettistische Heimatkunde beschränken – und damit auf seine größte Stärke: den virtuosen Umgang mit der Mannheimer Mundart. Am Freitag, 12. Februar, 20 Uhr, feiert „Chako“ wieder mit einem „Kur/Pfälzisch satirischen Highmat - Abend“ im Mannheimer Capitol offiziell Premiere: „De Allerärgschd“ ist Habekosts zehntes Soloprogramm seit 1996. Der „MundARTischt“ gewährte uns vorab bei einem Redaktionsbesuch Einblick in sein Jubiläumsprojekt ohne Jubiläumscharakter („ich bin kein Jubiläumstyp“) und diskutierte im Interview angeregt über den Dauer - Boom seines Genres.

moma: Herr Habekost, Sie nennen Ihr neues Programm „De Allerärgschd“ und bewerben es mit einem weintrinkenden David. Was will uns der Künstler damit sagen?

Christian Habekost: Der David, den ich auf dem Plakatmotiv so eingehend betrachte, ist der Homo Palatinus. Kenntlich gemacht durch Weinflasche und Schoppeglas. Und dem schaue ich wie gewohnt aufs Maul. „De Allerägrschd“, zu Hochdeutsch: der/die/das Allerärgste, ist linguistisch umgewidmet und so nicht mehr abwertend gemeint. Wie auf Jamaika „dread“, das eigentlich fürchterlich heißt, bei den Dreadlocks aber positiv gebraucht wird. „De Allerärgschd“ soll also unsere Region herausstellen, das zieht sich durch das ganze Programm. Nach dem Motto: Wir sind die Allertollsten – wenn die annere net do sin.

Motze made in Mannheim

21.01.2010 - LEO - - de {Aller}Ärgschd

MUNDART-COMEDY: CHRISTIAN HABEKOST UND SEIN NEUES PROGRAMM

Chako auf der Titelseite des LEO-Magazins der Rheinpfalz vom Januar 2010
LEO Cover vom Januar 2010

„Früher hot‘s des net gewwe“ – Kurpfälzer kennen diesen Spruch und wissen ihn vielleicht gerade jetzt zu schätzen. Und dass jener Einstieg in die Schimpftirade des „alten Weinfestbesuchers“, eine der Erfolgsfiguren des Standup-Comedians Christian Habekost, ein Schwerpunkt in „Chakos“ neuem Programm sein muss, war für den Mundartisten in „harten Zeiten wie diesen“ sonnenklar.

Alles ist für den gebürtigen, mittlerweile in der Pfalz lebenden Mannheimer irgendwie ärger heutzutage – und er meint damit Finanzlöcher, Schlaglöcher und all die anderen Löcher, auf die er mit voller Breitseite und pfälzisch-eingeborener Motz-Mentalität auf der Bühne die passende Antwort gibt. In gewohnter Chako-Manier eben, die ihm seit 1996, seit er solo tourt, eine immer größere Fangemeinde beschert hat. Dabei wird der (kur-)pfälzische Dialekt, auch für hochdeutsche Ohren gut verständlich, als Soundtrack für eine universale Botschaft eingesetzt: der tiefe Blick ins Rieslingschorle-Schoppenglas verspreche derzeit nämlich allemal mehr als rettende Einsichten und milliardenschwere Regierungsmaßnahmen.