Habekost geht nicht auf die dauerhafte Suche nach den schnellen und sicheren Lachern in Form endloser und irgendwann ermüdender Kalauer der platten Sorte. Nein, sein Programm hat Hintergrund, massenweise Spitzfindigkeiten, die er in einem regelrechten Pointenhagel erbarmungslos aufs Publikum prasseln lässt.
In der Tat, der "Wellnässer" ist pure Lachmuskelwellness, die in ihrer Intensität wohl die stabilste Klangschale in Scherben legt. In einem grandiosen Parforceritt hechelt Habekost von einem Thema zum nächsten. Der "Guerillero der Spaßgesellschaft", wie er sich selbst treffend bezeichnet, beweist, wie schön es sein kann, die Ketten der politischen Korrektheit zu sprengen und trotzdem die Gürtellinie zu wahren. Genau das ist es, was richtig gute Satire ausmacht.
In Habekosts neuem Programm kommen sich die Besucher vor, als wären sie in ein Wellness-Seminar versetzt. Endlich abschalten, den Stress des Alltags abwerfen, um sich schließlich der kompletten Entspannung hinzugeben. Doch dafür muss man erst bereit sein, wofür der erste Programmteil dient. Erst mal alle Sorgen weg lachen, um schließlich nach der Pause in den Habekostschen Wellnesspool einzutauchen — in dem glücklicherweise ein gesundes Weiterlachen ebenso angesagt ist.
Der Mannheimer besetzt grandios eine Lücke in der deutschen Humorlandschaft, fläzt sich hingebungsvoll in den Zwischenraum zwischen powervoller Stand-Up-Comedy und anspruchsvollem Kabarett. Der Protagonist wird flugs zum Animateur der Glückshormone, zum Vorzeige-Wohlfühl-könig. "Chako" trifft den Zeitgeist haargenau, nimmt mit massenweise spitzen Bemerkungen den Schönheits- und Wellnesskult auf die Schippe. Seine Gedanken sind abenteuerlich. absurd, ein wunderbar abstruses Kaleidoskop feinster Satire.
Als Mitglied der „In-a-Gadda-da-Vida-Generation" hat er seine Probleme mit dem Verhalten der Jugend, sieht sich verfolgt von Dieter Bohlen und Daniel Küblböck, stellt fest, dass die Werbung in den Gehirnen der Jugendlichen rumpfuscht, doch mit Slogans wie "Geiz ist geil" eigentlich schon wieder eine wertvolle Anregung für die Altersvorsorge gibt. Da streut er einen wahren Salzberg in ehe Wunde der politischen Gesellschaft.
Bei einem Amerikaner namens George B. stellt die Symptome des "Dummheit-regiert-die-Welt-Syndroms" fest, bei einem gewissen Gerhard S. das „Schluss-Aus-Basta-Syndrom", dessen Kennzeichen der Verlust des Sozialgefühls und ständige Rücktrittsdrohungen sind, ehe der satirische Diagnost sogar den Fall des "Besser-Arschloch-als-Loser-Syndroms" bei einem Roland K. ausmacht.
Habekost, ein Mitglied der "Forever-Young-Generation", die auch allmählich in die Jahre kommt. Die Generation die Erkennen muss, dass heute noch die Rentner ihre Bezüge bei der Aufzeichnung des Musikantenstadls auf Barbados verprassen können, einem selbst aber wohl irgendwann nur noch fünf Euro monatlich zustehen, wenn es bereits so weit geht, dass es im Gesundheitswesen bei einem Darmverschluss eine Überweisung zum Schlüsseldienst gibt.
Weg von diesen Problemen, hin in die endlose Wellness. Entspannen in der Welt von Aloe Vera, Morgenurin, Feng Shui, Fatburning, Powerwalking, Ying und Sang. Die Welt, in der einer Entlassung durch die feinen Worte "Ihr Karma liegt nicht mehr bei uns, es ist in die Freiheit entschwunden" das Schlimme genommen wird. Eintauchen in den Cremetopf der Skincare-Junkies, entschweben auf dem wundersamen Egotrip ins Bauchnabeluniversum.
Doch wie höllisch kann auch das werden, wenn letztlich festgestellt wird, dass man nur ein Teil der riesigen Wellness-Maschinerie, lediglich ein Mitglied der Bademantelsekte ist. Und wenn man aussteigen will, vom Ku-Klux-Klan der Wellness-Bruderschaft bedroht wird. O wunderbare Wellness-Welt — zumindest, wenn sie kabarettistisch beleuchtet wird. Diese Reise zum Tempel der Gesundheitsbewussten, bei Habekost eine besondere Art des Gesundheitsaktionismus, der garantiert niemand so schnell auf die Duftlampe geht. Eine furiose Vorstellung eines grandiosen Programms lieferte der Künstler in Mörlenbach. Tosender Applaus war der Lohn, wofür er sich schließlich als unvermeidlicher Reverend Samuel Lucas Lovemachine bedankte.
Christian Habekost : Presse : Seite 7 : Grandiose Lachmuskel - Wellness der Güteklasse A