Dann lässt er schon sein Personal auf dem überschaubaren Küchentisch in der Habekostschen Küche aufmarschieren: Dem alten Weinfest-Hocker ("früher hat's das ned gewwe") oder den urwüchsig-knodderndenden Stammtisch-Pälzer ist man schon früher begegnet. Neu sind der Schnäppchenjäger und -sammler oder "de Motzer", eine sehr deutsche Figur, wie Habekost findet. Von dem bekommt sogar der Glücksbote mit den Lotto-Millionen die Tür mit Anlauf ins Gesicht geschmissen. Andere neue Figuren stehen noch auf der Kippe. "Aber ich bin insgesamt weiter, als ich dachte."
Zuerst theoretisiert "Chako" noch ein wenig, spricht über das Personal oder die Leitkulturdebatte, die ihm den Titel aufgedrängt habe ("bei uns hawwe die Leit Kultur - Weinkultur, Esskultur, Kneipenkultur und so weiter"). Doch sobald er vom Proseminar zum Praktikum wechselt, wird's ernst mit der Komik: Mimik, Timing und Betonung vom Blatt mögen noch improvisiert sein, der typische Habekost-Punch haut einen gerade auf der Nahdistanz immer wieder vom Stuhl. Besonders mit dem "Motzer" gelingt es ihm ständig, erst die Deckung kurz einzulullen, um dann unverhofft mit einer erzrechten Geraden zu punkten. Oder der Ehemann auf der Suche nach einer Tönung für die Gattin - ein unbezahlbarer Tripp in die Konsumhölle.
Längst unverzichtbar: die Hip-Hop-Variante des kurpfälzischen Patriotismus, bei dem "Chako" sein Talent für Rhythmus und Wortmelodie ausfahren, und den Linguisten von der Leine lassen kann. Letzterer kann sich auch wieder beim Sprachkurs austoben: Statt der beliebten "Dutt"-Lektion stehen "Pfälzer Behältnisse" auf dem Lehrplan, also Eemer, Schoppe und vor allem der Haffe.
Die relativ strenge Trennung zwischen Habekosts regionalen Programmen wie "De Lokalpatri(di)ot" und bundesweit kompatiblen wie dem "Wellnässer" wird sich lockern: "Bei der "Zwei Mann & Xavier Naidoo"-Tournee merke ich, dass die Leute auch im tiefsten Bayern oder in Luxemburg auf unseren Dialekt abfahren - vor allem, wenn man mehr macht, als einfach nur Witze zu erzählen", berichtet Chako. Das habe ihn bestärkt, sein Dialektprogramm auch für überregionale Zuschauer zu schreiben: "Konsumterror gibt's ja überall." Der Kabarettist alter Schule in seiner breiten Brust lässt es sich aber auch nicht nehmen, seinen Bericht zur Lage der Region abzugeben - "das wäre für ein Publikum in Garmisch zu speziell. Das gibt's also nur hier zu sehen."
Christian Habekost : Presse : Seite 7 : Glanz und Elend des Kurpfälzertums