Ein Psychogramm der Pfälzer

20.11.2007 - Die Rheinpfalz - Christian Hanelt - Der Wellnässer

Christian „Chako“ Habekost bläst in Dahn zur „MundARTacke“

Dahn – ein kleiner Ort in der pfälzischen Provinz? Weit gefehlt. Man muss es nur richtig aussprechen. Denn was ist die pfälzische Provinz anderes als die deutsche Provence. Die Sprache macht‘s eben. Und damit kennt sich Christian „Chako“ Habekost als promovierter Sprachwissenschaftler aus. In seinem neuen Programm „MundARTacke“ verbindet er die Sprache mit der „Mentolität“ der Pfälzer zur „dialektischen Comedy“– und das sehr zur Freude der Besucher im Dahner Theater.

Der Kurpfälzer Habekost erklärt dem pfälzischen Publikum die eigenen gemeinsamen Befindlichkeiten. Er ist einer von ihnen – praktiziert pfälzische Solidarität, das Spiel mit den eigenen Schwächen, mit sympathischen Schwächen wohlgemerkt. Doch wo bei anderen diese Art der humorigen Nabelschau im Dialekt zuweilen statt provencialisch tatsächlich provinziell klingt, nur der Dialekt den Humor bedingt, so ist für Habekost der Dialekt das Transportmittel der Themen. Und so funktioniert Habekosts „Dialektik“ dann auch für sprachlich „Außergewärtige“.

Christian Habekosts „Globa-lall-isierungs“-Themen reichen von der Klimaerwärmung bis zu Verschwörungstheorien gegen die Pfälzer – da ist er politischer als im vorangegangenen Programm. Er schlägt sich durch den Erlebnispark Baumarkt, erklärt das Phänomen des „Luschtkaufs“ am eigenen Beispiel oder lässt den englischpfälzisch radebrechenden Fremdenführer einer Besuchergruppe die Metropolregion Rhein-Neckar näher bringen.

Habekost entwirft ein Psychogramm für einen ganzen Stamm: Die Pfälzer, diese „extrem positiv optimistischen Menschen“, Menschen, deren Sprache und Tun vom „Konjunktivus palatinus individualis“ beherrscht wird. Und der lautet ganz einfach: „Jeder macht es so, wie er will“. Der Pfälzer ist für Habekost ein Mensch der einfachen, aber präzisen Sprache. Wo andere sich in langen Begrüßungsreden ergehen, reicht dem Pfälzer ein schlichtes „unn?“. Und sollten ihm einmal die Worte fehlen – Habekost weiß weiter, rät zum Beispiel Männern im Umgang mit Frauen zu den magischen drei Wörtern: „Ich versteh dich“. Die treffen nach seinen Erfahrungen immer ins Schwarze, „auch wenn man keinen Schimmer hat, worum es geht“.

Letztlich kommen so 120 Minuten Habekost pur zusammen. Habekost, ein Tisch, ein Stuhl, ein Wasserglas – das reicht für zwei elektrisierende Stunden ohne Leerlauf. Habekosts Sprache ist Gesang – nicht nur beim obligatorischen „Dialekt-Räpp“ zum Einstieg –, seine Worte sind wohl gewählt – scharf und schnell wie eine Guillotine und doch stets voll liebevoller Milde – und seine Bewegungen sind Tanz – leicht und geschmeidig. Mag es nun Comedy sein oder Kabarett – Habekost ist ein großer Unterhalter, der mit seinen Geschichten das Publikum zu Hause abholt und ihm einen Abend lang ihre Pfalz und die Welt erklärt, die doch nichts anderes ist als die Pfalz der „Außergewärtigen“.