Ein Festtag für alte und neue Chako-Fans

06.12.2011 - Bergsträßer Anzeiger - Thomas Tritsch - Schäni B'scherung

Comedy: Viel Applaus für Christian Habekost und sein Weihnachtsprogramm im Parktheater

BENSHEIM. Santa Claus kommt zu den Kindern und Chako zu den Großen. Auf seiner kleinen Weihnachtstour machte Christian Habekost am Sonntagabend im Parktheater Station. Mitgebracht hatte er einen ganzen Sack voll abwechslungsreicher Comedynummern, gespickt mit kritischen Kabarettstückchen und karibisch pulsierenden Musikeinlagen.

Der Titel hat recht: „Schäni B’scherung – Proschd Neijoahr“ wurde in Bensheim frenetisch gefeiert. Am Ende hat der ganze Saal getanzt. Und das vier Wochen vor Silvester.

Polonaise ins Foyer

Es gibt wenige Unterhalter, die es schaffen, knapp 500 Menschen in einen ganzheitlichen Bewegungstaumel zu versetzen und die heiß gemachte Masse in Form einer Polonaise ins Foyer zu dirigieren. Der Pfälzer Mundart-Künstler kann das. Dabei glitzert sein saisonales Festtagsmenü nicht allein durch regionale Sprachköstlichkeiten: Virtuos stürzt sich Habekost auf die klassischen Weihnachtsklischees, ohne in gähnende Inhaltsleere abzudriften.

Es geht ums kollektive Glühweinsaufen und um das adventliche Abenteuer der innerstädtischen Parkplatzsuche, um Konsumstress und maskuline Konkurrenzkämpfe, die sich im Dezember allein um die Frage drehen: Wer hat die längere? Lichterkette natürlich. „Moiner is
heller als wie doiner!“ wird bockig die häusliche Festbeleuchtung belobigt.

Dass dies alles weder peinlich noch abgedroschen klingt, ist der versierten Vortragskunst des 49-jährigen Wahl-Bad-Dürkheimers geschuldet. Und hier vor allem auch dem eingängigen, rhythmisch verführerischen Sound des Kurpfälzischen, das vom gemeinen Bergsträßer ja erstens problemlos verstanden wird und zweitens eine eingebaute Lässigkeit und Lebenstauglichkeit besitzt, die unentwegt sympathisch ist.

Im ersten Teil des Abends jongliert Christian Habekost gekonnt mit Weihnachtsgeschichten, die er in einem Ledersessel vorträgt, und messerscharfer Standup-Comedy im gewohnten Chako-Stil. Er poltert über das Einerlei auf Weihnachtsmärkten von Pälzisch-Sibirien bis in die Odenwald-Sahara, die sich dadurch kennzeichnen, dass sie „voller Leit und Gruscht“ sind. Letzteres bezeichnet die Gemeinschaft von Adventsdekorationen aller Art, die in entsprechenden „Gruscht-Kischde“ ein Leben lang mitgeschleppt werden.

Ein genervter Beobachter

Glänzend versteht es Habekost, aus biografischen Tatsachen und dem Erinnerungsgut seiner Generation eine weihnachtliche Retrospektive zu komponieren, die ihn als vom Fest Mitgeschleppten, als genervten Beobachter outet. Da geht es um das todernste Abfeuern von Raketen zu Silvester, das eine Woche danach als ritueller Frustabbau gern zum befreienden Ballern genutzt wird.

Oder um den Vorsatz des Sich-nichs-schenken-Wollens, der aus Angst vor Verstößen des jeweils anderen einen präventiven Shoppingtaumel nach sich zieht. Und was wird aus einem verhinderten Pyrotechniker, dem seine Eltern immer „Brot statt Böller“ gepredigt haben und der bestenfalls mit ein paar in Sägespänen eingelegten Knallerbsen ein leises Ploppen verursachen darf? Klar: Lehrer oder Comedian.
„So, jetzt isses raus!“

In der Pause freute sich das Publikum auf die nächste Bescherung. „Diner for One uff Pälzisch“ steht auf dem Plakat. Oje, denkt man da: Ein allseits bekanntes und von jeder Feuerwehrtheatergruppe zigmal durchgekautes Kammerspielchen in einer weiteren Version – das kann ja heikel werden.

Als Butler in Hochform

Doch siehe da: Im Duett mit seiner Partnerin Margit Romeis (als Geburtstagskind Sofie) läuft Habekost als süffiger Butler zur Hochform auf. Klasse, wie er die unsichtbare Herrenrunde mit Pfälzer Riesling und Saumagen bedient und dabei vortrefflich den heimischen Kulturkreis charakterisiert: Chako macht als erdiger Weinbauverbandspräsident eine ebenso gute Figur wie als Bankchef aus dem badischen Ausland. Wunderbar ist auch, dass er eben nicht über den Bärenkopf stolpert. Hut ab vor dieser erfrischenden Übersetzung eines Evergreens.

Ohne Zugaben kam Christian Habekost in Bensheim nicht davon. Mit einem kurzweiligen und dramaturgisch ausgeklügelten Kontrastprogramm hat er das Publikum erobert. Klanglich kongenial unterstützt von seinem Haus- und Hofkomponisten Pit Schönpflug am Piano, der von Christiane Gavazzoni an der Percussion begleitet wurde. Zu Gehör kamen bekannte Weihnachtslieder im afro-karibischen Sound.

Kurzum: Ein Festessen für alte und neue Chako-Fans.