Der größte Erlebnispark der Welt

15.04.2010 - Mannheimer Morgen - Simone Sohl - Metropolregion

Tourismus: Ein neues Werbevideo mit dem Kabarettisten Christian „Chako“ Habekost soll Besucher in die Kurpfalz locken

Werben für die Kurpfalz: Weinprinzessin Eva-Maria Weisbrodt, Tourismus-Chefin Julienne Matthias-Gund, „Chako“ Habekost und René Pöltl (von links). Bild: Venus
Werben für die Kurpfalz: Weinprinzessin Eva-Maria Weisbrodt, Tourismus-Chefin Julienne Matthias-Gund, „Chako“ Habekost und René Pöltl (von links). Bild: Venus

Deidesheim. Die Kurpfalz - was ist das eigentlich? Der Rest Deutschlands denkt da erst mal an Helmut Kohl und seine Liebe zum Saumagen, vielleicht auch noch an den guten Wein, an Xavier Naidoo und das Heidelberger Schloss. Viel mehr fällt den meisten nicht ein. Bei der Tourismusgemeinschaft Kurpfalz ist man davon überzeugt, dass das kleine Stück Land zwischen Rhein und Neckar, Pfälzerwald und Odenwald viele Schätze zu bieten hat. Ein neues Werbevideo mit Christian "Chako" Habekost soll das unter Beweis stellen. Gestern hat die Tourismusgemeinschaft (TG) das elfminütige Filmchen im Deidesheimer Weingut Reichsrat von Buhl präsentiert.

Auf der Suche nach den gemeinsamen Wurzeln der Kurpfälzer gerate man zwar schnell in historische - oder auch hysterische - Verwicklungen, gibt Mundart-Kabarettist Habekost unumwunden zu. Aber was ist es dann, was die Mannheimer mit den Speyerern, die Weinheimer mit den Meckenheimern verbindet? "Die Sprache", ist Habekost überzeugt, der sich bei seiner Rede ausnahmsweise mal ans Hochdeutsche hielt - zumindest während der ersten vier Sätze. Ja, er wisse, dass sich Monnemerisch nicht genauso anhöre wie etwa das Pfälzisch der Neustadter - aber feine Unterschiede gebe es ja bereits zwischen einem Dorf und dem nächsten. Am Ende zeige der Dialekt der Region nach Ansicht des Sprachwissenschaftlers: "Eigentlich g'here mer zamme!"

Blick ins Kurpfälzer Gemüt

Um diese Botschaft in der Welt zu verbreiten, hat sich "Chako" Habekost ein originelles Drehbuch für den Werbeclip einfallen lassen: Als Touristenführer zeigt er eine Sehenswürdigkeit nach der anderen, die "der größte Erlebnispark der Welt" zu bieten hat. Wir hüpfen hin und her in der Kurpfalz; erfahren, dass in Deidesheim der Nektar entsteht, der sie zusammenhält, und dass Mannheim vom Kurfürsten Carl Theodor als quadratisches Erlebnislabyrinth angelegt wurde.

Ganz nebenbei gibt der in Bad Dürkheim lebende Künstler auch Einblick in die Lebensart und die Gemüter der Kurpfälzer Eingeborenen. Auf Weinfesten etwa würden beim tiefen Blick ins "Dubbeglas" hochphilosophische Hypothesen aufgestellt - á la "Es kummt wie's kummt" oder, für Fortgeschrittene: "Manchmol kummt's awwer ach annerscht."

Seinem geliebten Dialekt geht "Chako" im Video aber fremd. Für das Projekt hat er eine neue Sprache kreiert, man könnte sie "Pfenglisch" nennen: eine haarsträubende Mixtur aus Pfälzisch und Möchtegern-Englisch. Wer es nicht weiß, käme nicht auf die Idee, dass der Touristenführer im Kurpfalz-Clip einen Doktortitel in Anglistik hat. Was das soll? "Das ist schließlich ein internationaler Werbeclip!", sagt der Erfinder und grinst. Natürlich will er damit auch die auf die Schippe nehmen, die meinen, ständig Englisch sprechen zu müssen - "obwohl sie es oft gar nicht können", erklärt er. Um eventuelle Verständnisprobleme zu vermeiden, gibt es Untertitel, "ganz seriös auf Hochdeutsch".

Das Werbefilmchen ist eines der ersten Projekte der Tourismusgemeinschaft, an dem sich viele Städte und Gemeinden beteiligt haben. "Das ist ein wichtiger Schritt für den Tourismus in der Kurpfalz", lautet das Urteil des Deidesheimers Bürgermeisters Manfred Dörr. Auch im Hinblick auf die Einsparung von Geldern sei Gemeinschaftssinn gefragt: "Es bringt doch nichts, wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht!" Mit dem Video wolle die Tourismusgemeinschaft außerdem neue Werbewege beschreiten, sagt der Vorsitzende René Pöltl, Oberbürgermeister Schwetzingens: "Wir wollen uns den sozialen Netzwerken im Internet öffnen." Auf der Videoplattform Youtube ist der Film bereits rund 2100-mal abgerufen worden. Zu finden ist es über die Stichworte "Die Kurpfalz - Sympathische Vielfalt".

"Chako" gibt allen "Eingeborenen" noch einen Tipp zur Selbstpräsentation - auf "Pfenglisch": "Sink big - Versenk' die Große!"

Video "Die Kurpfalz - Sympathische Vielfalt" mit Christian „Chako“ Habekost auf YouTube