De Allerschtärgschd

16.01.2011 - Die Rheinpfalz - Andreas Gärtner - de {Aller}Ärgschd

Christian „Chako“ Habekost und die Liebe zur „Sprooch“ begeistern im Frankenthaler Congress-Forum

Treffer im Sekundentakt landete am Freitagabend im Frankenthaler Congress-Forum Comedian Christian „Chako“ Habekost mit seinem neuen Programm „De Allerärgschd“. Das, nach der Resonanz des Publikums zu urteilen, eher lauten müsste: „De Allerschtärgschd“.

Christian „Chako“ Habekost ist noch nicht mal richtig auf der Bühne im ausverkauften Congress-Forum, schon gibt‘s die erste Reaktion von einer jungen Dame, die den Mann scheinbar nur vom Hören kennt. „Boah, wie sieht‘n der aus!“ Nein, so stellt man sich nicht wirklich einen Mundart-Comedian vor: lange zurückgegeelte Haare, Armreif, drei Ringe an den Fingern und noch einen am Ohr, dunkler Anzug und als Krönung ein weißes Scheusal aus Lack, welches als Krawatte herhalten muss und dem Ganzen den Anstrich gibt, als hätte sich der Türsteher einer Nahkampfdisco zur Konfirmation seines Großcousins mal eben in Schale geworfen. Er sieht schon so aus wie der Titel seines neuen Programms verheißt, wie „De Allerärgschd“ eben.

Und trotzdem ist der Mann momentan der (Kur)Pfälzer liebster Sohn, der Thomas Gottschalk des Rhein-Neckar-Deltas. Er spielt die Kurpfalz rauf und runter, und die Leute bekommen immer noch nicht genug von ihm. Und in Sachen Kleidung lässt der Gottschalk den Geschmack ja auch gerne mal zu Hause. Aber damit hat es sich schon mit der Ähnlichkeit. Denn wo die Pointen des Gummibärchen-Onkels gerne mal die gleiche sirupartige Konsistenz seiner bärigen Freunde annehmen, ist der Habekost ungleich schärfer. Mehr noch, was er mit „De Allerärgschd“ abliefert, gerät stellenweise zu einer kleinen Offenbarung.

Habekost hat nämlich alles, was ihn ausmacht, noch ein bisserl getoppt, auf die Spitze getrieben und einen kabarettistischen Parforceritt absolviert, in dem der Dialekt die Zugabe ist. Wenn er in atemberaubender Schnelligkeit maschinengewehrartig Wortspiele, Doppeldeutigkeiten, Versprecher von sich gibt, werden einem nicht nur die Gehörgänge durchgepustet, nein, man kann sich auch förmlich an Habekosts Liebe zur „Sprooch“ weiden.

„Chako“ ist der Kurpfälzer liebster Sohn, der Gottschalk des Rhein-Neckar-Deltas.

Er gebraucht das Pfälzische fast als Rhythmusinstrument, Vokale werden wahlweise gedehnt oder verschluckt und dabei lässt er beiläufig mehr Pointen vom Stapel als Gottschalk Gummibärchen auf seiner Fernseh-Couch stehen hat.

Inhaltlich spielt Habekost schon längst in einer Liga, in der er sich massenweit von den „Hauptsach gelacht“- Comedians der Marke Mario Barth oder Ralf Schmitz abhebt. Keine Sekunde wurde im Congress-Forum nicht gegluckst, darüber hinaus mutet „de Chako soine Leid schon e bissel“ was zu. Da gibt es keine Verschnaufpause im Oberstübchen und regelrecht gallig ist er teilweise auch. Ob das die völlig überforderten Mittelschichten- Mamas sind, die alles richtig machen wollen („die Mitglieder der Bionade-Bourgeoisie“), oder die spitzmündige Hochdeutsch- Außergewärtische, die unseren Dialekt als „sprachliches Verhütungsmittel“ begreifen.

Auch an dem überall so geschätzten Dalai Lama lässt er kein gutes Haar. Die allumfassende Toleranz und vermeintliche Beliebigkeit des „Skinheads aus Tibet“ fährt Habekost mit einem gnadenlosen Pfälzer Bonmot regelrecht an die Wand: „Wer noch alle Seide offe is, kann net ganz discht soi.“ Mit soviel Direktheit ausgestattet, verfügt er trotzdem über genügend humoristische Fallhöhe, kommt nie oberlehrerhaf daher. Seine Beobachtungsgabe und mimische Wandlungsfähigkeit tun dabei ein Übriges und vollenden sich in seiner Figur vum „Ald“ und dessen „Frieher hot‘s des net gewwe“.

Die Zugabe gerät zum Höhepunkt. Habekost kommt als „Reverend“ und feuert im Kurpfälzer Gospel-Kauderwelsch Breitseiten gegen die Wirtschaftskrise ab: „Globalisierung, Privatisierung, Dumpfbacken-Regierung“, „Banker, Bankster, Bankert.“ Wer solche Treffer im Sekundentakt landet, hat das Recht alles anzuziehen, was ihm vor die Füße fällt.