Das Wort als Medium für die "Brain-Comedy"

29.12.2006 - Die Rheinpfalz - Christian Hanelt - Beschd of

Christian „Chako" Habekost will mit seinen Programmen dem Publikum Entertainment mit Sinn bieten - Freitag in Bad Bergzabern

Im Oktober erst hat der kurpfälzische Kabarettist Christian „Chako" Habekost im Dahner Haus des Gastes überzeugend mit seinem aktuellen Programm „de Lokalpatri(di)ot" gegeben. Traditionell zur Weihnachtszeit steht Habekost mit einem Programm „Best of Mundart" auf der Bühne - so auch am Freitag, 29. Dezember, 20 Uhr, im Haus des Gastes in Bad Bergzabern. Mit Habekost sprach darüber unser Redakteur Christian Hanelt.

Rheinpfalz: Sie spielen in Bad Bergzabern ein „Best of"-Programm.

Habekost: Um die Weihnachtszeit herum hat das Tradition. Das Programm ist aber jedes Jahr ein bisschen anders.

Rheinpfalz: Ist das ein „Best of Mundart" oder ein „Best of Chako"-Programm?

Habekost: Es ist „Best of Mundart", und das ist nicht zu verwechseln mit der neuen CD „Best of Chako", denn da habe ich vieles aus den letzten zehn Jahren draufgepackt - nicht nur Mundart. Früher hatte ich ja zwei Programme, ein überregionales hochdeutsches Programm und ein Mundartprogramm. Diese Zweiteilung habe ich erst mit dem aktuellen Programm „Lokalpatri(di)ot" aufgegeben, weil ich inzwischen einfach den Mut und die Entschlossenheit habe, unseren pfälzischen beziehungsweise kurpfälzischen Dialekt auch überregional an den Mann und die Frau zu bringen. Und das funktioniert auch ganz gut.

Rheinpfalz: Der Dialekt ist also keine Erfolgsbremse außerhalb der Region?

Habekost: Ich habe ja das Glück, dass ich mit Xavier Naidoo unterwegs sein kann mit der „2 Mann & Xavier Naidoo"- Tour, bei der ich zu Beginn eine halbe Stunde habe und wir auch immer etwas zusammen machen. So war ich von Österreich bis Flensburg unterwegs und hatte gar keine andere Wahl, als beim Publikum anzukommen, was mir gerade bei den Nordlichtern auch wirklich gut gelungen ist. Sicher - der Dialekt wird dort natürlich ein kleines bisschen abgeschliffen. Ich war jetzt gerade in Berlin bei den „Wühlmäusen" und auch da gab es Ovationen für die Dialekt-Nummer mit dem Weinfestbesucher und seiner bestens bekannten Weisheit „Früher hot"s des ned gewwe".

Rheinpfalz: Ist das nun Comedy oder Kabarett, was Sie dem Publikum bieten?

Habekost: Ich will das dar nicht so sehr trennen. Also Kabarett ist ja leider in einer bestimmten Generation zum Schimpfwort geworden. Kabarett steht für langweilig, für Old-School, für Leute, die einen Satz anfangen, aber nicht fertig machen und dann hoffen, dass daraus eine Pointe gelesen wird. Und Comedy steht als Extrem auf der anderen Seite für hirn- und niveaulos. Und ich glaube, ich bin weder bei dem einen noch bei dem anderen anzusiedeln. Also kann man sagen, dass ich beides mache. Ich mache Kabarett, weil mir das Wort schon wichtig ist, es ist für mich nicht nur Mittel zum Zweck, sondern auch ein Medium. Auf der anderen Seite will ich aber auch nicht, dass die Leute denken „ah ja, ich habe zwar nicht gelacht, aber da ist ein guter tiefer Sinn dahinter". Das Entertainment soll bei mir also schon im Mittelpunkt stehen - aber eben nicht ohne Sinn. Ich nenne das gerne Brain-Comedy.

Rheinpfalz: Gibt es dabei für Sie thematische Tabus?

Habekost: Tabus sind ja bei uns alle gebrochen seit Ingo Appelt fast schon zum Popstar wurde. Manche Leute haben den Tabu-Bruch benutzt, um berühmt zu werden. Das will ich nicht. Ich merke zum Beispiel, dass es fast schon ein Tabu-Bruch ist, wenn man politisch etwas radikalere Aussagen trifft, wenn man zum Beispiel - was ich gerne mache - den Mund ein bisschen aufmacht gegen die US-amerikanische Militärpräsenz in Deutschland. Das wird dann von manchen Leuten sofort als „oh, das ist anti-amerikanisch" in diesen allgemeinen menschenfeindlichen Topf geschmissen, obwohl ich damit gar nichts zu tun habe. Anti-amerikanisch ist ein Tabu, das darf man nicht sein, dann schon lieber evangelisch.

Rheinpfalz: Apropos: Ist die Kirche ein Tabu-Thema für Sie?

Habekost: Sicher reibt man sich auch ein bisschen daran, und ab und zu ergibt sich mal eine kleine Pointe. Aber ich mag es nicht, wie manche Kollegen das mit Absicht solange betrieben, bis dann wirklich die Leute nur noch „Ah" und „Oh" machen und sich darüber aufregen. Denn ich habe Respekt vor Menschen, die glauben - egal, was das für eine Religion ist. Und wenn die ihren Glauben heilig halten, muss ich nicht auf der Bühne stehen und dauernd darauf herumtreten.

Rheinpfalz: Wie ist Ihr Begriff des Lokalpatri(di)oten, wie ja auch Ihr aktuelles Programm betitelt ist, zu verstehen?

Habekost: Mit dem Wort „Patriot" habe ich meine Schwierigkeiten. Ich komme halt aus einer Ecke - und da bin ich auch stolz drauf -, die gerne hinterfragt, statt blindlings etwas zu glauben. Inzwischen finden es ja viele wieder gut, dass die Bundeswehr öffentliche Gelöbnisse macht mit Stahlhelm auf zum Gebet. Damit habe ich ganz große Schwierigkeiten und deshalb ist „Patriot" für mich ein etwas belastetes Wort. „Lokalpatriot" dagegen nicht, denn was haben wir Pfälzer schon groß zu melden in der Welt - und ich bin schon immer für die unterdrückten Völker gewesen. Deswegen bin ich auch oft in der Karibik auf so kleinen Inselchen, die eigentlich nichts zu melden haben, kulturell aber einen riesigen Beitrag geleistet haben. In einer ähnlichen Rolle sehe ich die Pfälzer und Kurpfälzer. Und deswegen will ich durch dieses „di" einen kleinen Bruch in das Wort bringen - in dieses Patriotische. Zumal jetzt das Patriotische immer wichtiger wird und das Fahnenschwenken inzwischen gang und gäbe ist. Beim Fußball war das ja noch lustig - aber der Spaß würde bei mir aufhören, wenn in jedem Vorgarten plötzlich so ein schwarz-rot-goldner Stoff hängt und Fahneneid und Schulgebet für die Verfassung...

Rheinpfalz: Der pfälzische Dialekt ist doch recht facettenreich. Finden Sie diese Musikalität der Sprache in der gesamten Pfalz?

Habekost: Natürlich gibt es da Abstufungen. Wo der Wein wächst, ist vielleicht zwangsläufig die Musikalität etwas höher. Aber auch in der Südwestpfalz wird im Dialekt schon noch einiges geboten. Wenn man den Dialekt von der provinziellen Schlacke befreit und ihn frei schwingen lässt, hat er auch in der Südwestpfalz seine Musikalität.

Rheinpfalz: Können Sie eigentlich über sich selbst lachen?

Habekost: Auf jeden Fall. Ich arbeite mein ganzes Leben lang schon daran, über mich selbst lachen zu können. Aber ich gebe zu, dass viele Leute, je mehr sie über andere Menschen Witze machen, umso weniger über sich selbst lachen können.

Rheinpfalz: Ihre Frau führt in Ihren Programmen Regie. Ist es schwerer oder leichter mit der eigenen Frau zu arbeiten, als mit einem Außenstehenden?

Habekost: Beides. Es ist einfacher, weil sie mich genau kennt und mir viel mehr auf den Kopf zu sagen kann, wofür andere vielleicht diplomatischere Worte finden müssten. Meine Frau hat allerdings einen ganz anderen Humor als ich, sie hat mehr so den Bananenschalen-Humor: Sie lacht gerne, wenn anderen Missgeschicke passieren. Das aber ist gar nicht mein Humor. So lacht sie manchmal über Sachen gar nicht, von denen ich denke, dass sie der absolute Knaller sind. Andererseits kugelt sie sich dann vor Lachen auf dem Sofa über Sachen, von denen ich gedacht habe, sie sind nur so en passant. Und da merke ich, dass da noch etwas dabei ist, was ich besser herausarbeiten muss. Der Nachteil dieser Konstellation ist, dass das Privatleben darunter leidet. Das ist dann wirklich so, dass sie, weil sie sich die ganze Zeit die Fratzen meiner Figuren ansehen muss, sagt, „ich kann jetzt einfach Dein Gesicht heute nicht mehr sehen, ich brauch jetzt ein bisschen Ruhe". Und dann nehmen wir in unserer Freizeit Urlaub voneinander für ein paar Stunden oder für einen Tag.

Rheinpfalz: Verändert sich ein Programm im Laufe seiner Spielzeit?

Habekost: Es verändert sich sehr. Bei der Premiere zum Beispiel habe ich zwei Nummern drin gehabt, die ich inzwischen einfach weglasse. Die waren zwar bei der Premiere gut angekommen, aber sie waren für mich schwierig zu spielen und waren im Fluss des Programms einfach nicht mehr notwendig. Während des Spielens hat man die besten Ideen, weil man unter körpereigenen Drogen steht. Da kommen dann in einzelnen Nummern plötzlich Sachen hinzu, die dann für immer eingebaut werden. Deswegen ist es für die Leute immer gut - auch aus kapitalistischen Gründen für denjenigen, der Geld daran verdient - zweimal ins Programm zu kommen.

Rheinpfalz: Wie entsteht bei Ihnen ein neuer Sketch?

Habekost: „Das ist eine tolle Idee, die merk ich mir" - das ist Illusion, das kann man vergessen. Man muss immer etwas zum Aufschreiben dabei haben, sogar neben dem Bett, denn oft kommen kurz vorm Einschlafen die besten Gedanken. Und da ist man auf jeden Fall zu müde, um wieder aufzustehen. Am nächsten Morgen aber ist der Gedanke wieder weg. Auch wenn man durch die Stadt läuft oder irgendwas hört - immer gleich aufschreiben. Gottseidank gibt es heute Handys mit Notizfunktion, da schreib ich das immer rein. Und dann sammle ich die Ideen im Computer in einem Ordner, der heißt „Neues Programm". Der hat den Unterordner „Material", der wiederum einen Unterordner „Sprüche" hat.

Rheinpfalz: Sie sind mittlerweile auch öfter im Fernsehen zu sehen, unter anderem in „Ottis Schlachthof". Würde Sie eine eigene Sendung nicht auch reizen?

Habekost: Es gab mal eine Phase, in der habe ich massiv gedrängt, in diese Comedy-Schiene ins Fernsehen zu kommen. Und da gab es auch genügend Gelegenheiten dazu. Aber es war für mich immer schwieriger als für viele Kollegen, denn, so wurde mir berichtet, die Redakteure haben oft gesagt, „der Typ ist super, der ist anspruchsvoll - aber wir wissen nicht, wo der rein passt". Das war denen einfach nicht mainstreammäßig genug - wohl auch, weil ich sprachlich nicht so unanstrengend bin. Damals habe ich eine Weile gehechelt. Heute lehne ich mich zurück und denke, „was für ein Glück, dass ich das nicht machen muss, sonst hätte ich mich doch verbiegen müssen". Beim Rhein-Neckar-Fernsehen habe ich allerdings inzwischen meine eigene Sendung. Es ist zwar nur ein Regionalsender, aber ich kann dort machen was ich will. Die Sendung läuft seit Oktober und da lade ich mir Leute ein, die mir gefallen und die gar nicht so bekannt sind, denn unterhalb der abgedroschenen Fernseh-Liga gibt es eine große Anzahl von sehr begabten und ganz tollen Kollegen.

Rheinpfalz: Und wovon träumt der Brain-Comedian Chako Habekost?

Habekost: Meine eigene Sendung überregional zu haben, wäre mein Traum.