Das Universum im Schoppenglas

25.04.2005 - Mannheimer Morgen - Jörg-Peter Klotz - de Lokalpatri(di)ot

Christian Habekosts Premiere "Der Lokalpatri(di)ot"

"Rischdisch falsch babbeln" kann Christian Habekost. Das hat er jetzt drei Jahre lang mit seinem (fast) gleichnamigen Mundartprogramm bewiesen, also wurde es Zeit für einen neuen "Kur/Pfälzischen Highmat-Abend". Das belegt schon die Tatsache, wie groß die Nachfrage für "Chakos" neues Werk ist: Zwei Vorpremieren in Brühl und die Uraufführung im Mannheimer Capitol sind seit Wochen ausverkauft, für viele der folgenden Auftritte in der Region gibt es kaum noch Karten..

Man kann mit einem Habekost-Abend halt wenig falsch machen, weil der Mannheimer so viel richtig macht: Auch bei seinem vierten Mundartprogramm findet er die Balance zwischen leichten Lachern, die Themen wie "Schoppensaufen" oder zotige Anspielungen nun mal garantieren, lockeren Linguistik-Einlagen (gern auch gerappt) und kabarettistischem Anspruch. Natürlich geht es um die mehr oder weniger kleinen Schwächen des "Kurpälzers" von nebenan. Aber wenn der sich auf der Suche nach einer Haartönung ("irgendwas rotes") für seine Frau plötzlich im endlosen Konsumdschungel zwischen "Poly Brillance Intensiv Kaschmir Rot" und "Aubergine" verirrt, erkennt sich jeder wieder - und kann als Hausaufgabe darüber nachdenken, ob Regale voller Tönungen bis zum Minimal-Horizont oder Elektrogeräte-Sucht die Menschheit wirklich weiter bringen.

Da hilft vielleicht eher das "Riesling-Tantra (Woi - Wassa - Schorle)". Auch nützlich bei der existenziellen Frage: "Warum ist das Glas halb leer - und ich immer noch nicht voll?" So etwas gibt Orientierung in einer Welt, in der es Latte plötzlich als "Coffee To Go" statt im Baumarkt gibt. Und kam der Kaffee früher auch schon aus Togo? Und warum werden Handys plötzlich so gebaut, dass sie höchstens noch von den "siwwe Hannebamb'l, die scharf uff's Schneewittche sinn", bedient werden können? "Friher hot's des net gewwe", lässt Habekost seinen alten Knodderer refrainartig maulen - und kitzelt damit den Nerv der Zuschauer am heftigsten.

"De Motzer", eine eigentlich sehr starke neue Figur, hat da eher Akzeptanzprobleme. Wie der mit der Nachbarin ("Grinsblus'!") umspringt, die ihm lächelnd die Tür aufhält ("Wonn ma' arbeitslos iss, hot ma' Zeit für so Ferz."), ist köstlich. Habekost wird dabei Opfer seiner überzeugenden Darstellung, bei der die Temperatur im Saal zusehends vereist. Hinterher muss er beschwichtigen: "Keine Angst, ist doch nur Satire." Aber gute.