"Chako" landet Lacher mit ganzer Wucht

22.08.2011 - Mannheimer Morgen - Jörg-Peter Klotz - de {Aller}Ärgschd

Kabarett: In der Klosterruine Limburg zelebriert Christian Habekost, Ur-Mannheimer im Bad Dürkheimer Exil, ein fulminantes Open-Air-Heimspiel

Der Mann mag hauptberuflich Spaßmacher sein. Aber die "akademischen Vorstrafen" kann und will Dr. Christian Habekost nicht verleugnen. Und so dekliniert sich der Philologe zu Beginn seines Programms "De Allerärgschd" mit gespitzter Zunge durch die Etymologie der zentralen Vokabel "arg". Nur um diesen eher "außergewärtigen" Habitus, der gequält und von oben herab auf den "zu argen" hiesigen Dialekt herunterlächelt, mit der ganzen Wucht seines rhythmisierten Kurpfälzischen von der Bühne zu fegen: "Isch bin dä Chako, und isch bin vunn do!" Das Publikum im ausverkauften Innenhof der Klosterruine Limburg tobt.

Es wird ein besonderer Auftritt: Nicht nur, weil der Ur-Mannheimer Habekost in seinem selbst gewählten Bad Dürkheimer Exil ein sehr exklusives Heimspiel erlebt. Der Kabarettist und seine gut 900 Zuschauer berauschen sich an der eindrucksvollen Kulisse der Salierburg aus dem 9. Jahrhundert, die vor fast 1000 Jahren zu einer Benediktinerabtei umgewidmet wurde. Und ein wenig auch an den Mixgetränken aus großvolumigen Dubbegläsern, die dem vorbildlichen Sommerabend etwas inwendige Kühle verleihen.

Spielfreude veredelt Routine

Das Programm hat schon anderthalb Jahre auf dem Buckel - und das merkt man ihm auch an. Nicht, weil es etwa an Aktualität eingebüßt hätte - im Gegenteil: In Politik, Wirtschaft, Schule und gesundem Menschenverstand liegt immer noch vieles im "Allerärgschden" (Zitat: "Es reicht nicht, nur keinen Plan zu haben. Man muss auch unfähig sein, ihn umzusetzen."). Vielmehr fällt beim Wiedersehen auf, wie positiv sich die über zweieinhalb Stunden geballte Mundartistik noch entwickelt haben - zumal die Routine von Dutzenden von Auftritten "Chakos" enorme Spielfreude veredelt. Der 44-Jährige weiß genau, welche Pointe wie landet - und dass einige seiner vertrackteren Wortspiele ihre Zeit brauchen, um anzukommen ("Feedback-Pfeifen").

Das Zwerchfell-Lähmungskartell, gegen das Habekost immer wieder explizit anspielt, hat keine Chance. Es wird zerschlagen, von Gags, die er setzt wie ein guter Boxer seine Punches. Das spielt sich oft klassisch kabarettistisch sauber über der Gürtellinie ab, liefert kritisch Stoff zum Nachdenken und Weltverbessern. Aber wenn "Chako" die akademischen Handschuhe abstreift, wird es am "allerärgschden" - zumal er das Niveau phasenweise im Sekundentakt vom derben Tiefschlag zur hochgezogenen Augenbraue verlagern kann. Paradebeispiel ist seine absolute Kultfigur, der grantlerische alte Weinfestbesucher, der im Chor mit seinem Leitspruch "Frieher hot's des net gewwe" begrüßt wird. Hier schlagen die Hammersprüche im Dauerfeuer mit so großer Intensität ein, dass mancher Zuschauer unter Tränen in der anaeroben Atmung landet - hinterher weiß man kaum noch, worüber man eigentlich gelacht hat. Das weiß man bei der Gospel-Zugabe mit dem "Reverend" auf dem Altar der früheren Basilika ganz genau - und dass man über spirituell aufgeheizte verbale Banker-Prügel immer noch lachen kann, spricht für den Genius Loci - und "De Allerärgschd".