Chako ist ganz ohne Frage der "Allerärgschd"

05.10.2010 - Mannheimer Morgen - Achim Wirths - de {Aller}Ärgschd

Heddesheim: Gastspiel im Bürgerhaus seit Wochen ausverkauft / Neues Programm ein Totalangriff auf die Lachmuskeln

"Es kann nur einen geben!" Das war in den Kinos der Achtziger der Schotte Connor MacLeod, der "Highlander". Knapp ein Vierteljahrhundert später: Der Inhalt der Aussage hat sich nicht verändert, wohl aber der Protagonist. "Es kann nur einen geben!" - Dieses Attribut wird heute zu Recht Christian "Chako" Habekost zugeordnet, "de Monnemer", "de Kurpälzer", "de Allerärgschd".

Letzteres ist auch der Titel seines aktuellen Programms, mit dem er am vergangenen Freitag im Bürgerhaus den Heddesheimern mehr als zwei Stunden bescherte, die manche als die kürzesten dieses Jahres bezeichneten und allen noch lang in bester Erinnerung bleiben werden. Am Ende der Vorstellung bedankten sie sich stehend applaudierend bei Chako für diesen Abend.

Saal und Empore waren seit Wochen ausverkauft und Ursula Brechtel, Leiterin der veranstaltenden VHS, erzählte, dass die Warteliste über 100 weitere Namen umfasste. Wenn diejenigen, die keine Eintrittskarte mehr ergattern konnten, sich ebenfalls einer sehr speziellen Variante von Masochismus ergeben wollen, sollten sie dies unbedingt nachholen. Da fließen Tränen, da hält der Kater Einzug in die 17 am Lachen beteiligten Gesichtsmuskeln, da hat das Zwerchfell Schwierigkeiten, sich wieder zu entkrampfen, den grauen Zellen wird kein Moment der Erholung gegönnt - mit seinem "Allerärgschd" hat Habekost ein stilvolles Optimum geschaffen, das nahe an das Nonplusultra herankommt.

Dabei wäre es total daneben, ja eine Beleidigung, Chako als Comedian zu bezeichnen, zu sehr ist dieses Genre mit Namen wie Mario Barth, Gerd Dudenhöfer oder Ingo Appelt besetzt, die "Comedy-Programme mit Klischees leer füllen". Mit diesem Programm findet sich der Habekost eher wieder auf einer Ebene mit einem Dieter Nuhr: verschmitzt, philosophisch, politisch. Wenn auch bei weitem nicht so subtil. Chako sagt seinem Publikum, "wo de Baddel des Moschd hold." Wie auch anders, hält er doch die Fahne seines geliebten "Kurpälzer" Dialekts ganz hoch, und diese Mundart ist nun mal breit, derb und rumpelig.
"Banker, Bankster, Bankert"

Für ihn ist die Kurpfalz nicht die Toskana Deutschlands, sondern die Toskana ist die Kurpfalz Italiens. Eine friedliche Gegend, wo Kaiser Wilhelm höchstens Fastnachtsprinz geworden und Hitler vom Blumepeter verhaftet und direkt in Wiesloch eingeliefert worden wäre. Ross und Reiter werden beim Namen genannt: "Wenn man keinen Westerwelle hätte, bräuchte man ihn auch nicht." Oder sein Auftritt als "The Reverend". Die Predigt dieser schon etwas älteren Figur wurde aktualisiert und strotzte vor Breitseiten gegen die herrschenden Umstände, dass Dieter Hildebrandt seine helle Freude daran gehabt hätte. "Finanzlöcher, Haushaltslöcher und im Parlament sitzen noch ganz andere Löcher", "Globalisierung, Privatisierung, Dumpfbacken-Regierung", "Banker, Bankster, Bankert", "Neoliberale-Philosophie - schdegg der die sunschd wohie."

"Frieher hot's des ned gewwe" - Nicht nur damit stellte Habekost die herrliche Prallheit des heimischen Idioms unter Beweis und veranschaulichte, wie die Kurpfälzer gestrickt sind und was die Welt ohne sie wäre. Ohne Carl Benz, das Indigo der Anilin und das Dubbeglas wären alle heute noch mit dem Gaul unterwegs, die Jeans rosa und Wein gäbe es nur aus Bonsaigläschen - ohne Dubbe.

Habekost hat zweifellos noch nie so meisterlich Mundartliches und politisches Kabarett verknüpft, wie in "De Allerärgschd". Habekost füllt die Bühne allein mit seiner überwältigenden Präsenz. Mit diesem Programm unternimmt er einen noch temporeicheren kabarettistischen Parforceritt, als man es ohnehin von ihm gewohnt ist. Das lässt weder ihm noch dem Zuschauer Zeit, einmal durchzuschnaufen.