Butler 'Chako' serviert eine Prozedur für jedes Jahr

25.11.2011 - Mannheimer Morgen - Jörg-Peter Klotz - Schäni B'scherung

Kabarett: Christian Habekosts Weihnachtsprogramm "Schäni B'scherung - Proschd Neijoahr" feiert umjubelte Premiere im ausverkauften Capitol

Man steckt schon mitten im Vorweihnachtswahnsinn. Braucht man da auch noch ein Kabarettprogramm, das sich genau darum dreht und das Thema bis Neujahr durchspielt? Die Antwort gibt der tosende Applaus der Premierenzuschauer im ausverkauften Mannheimer Capitol, bevor Lokalmatador Christian "Chako" Habekost sie zu karibisch gefärbter Weihnachtsmusik per Polonaise aus dem Saal komplimentiert. Der Beifall ist verdient, denn obwohl bei "Schäni B'scherung - Proschd Neijoahr" kein jahreszeitliches Klischee ausgespart wird, punktet das Saisonprogramm durch ein erstaunliches Maß an Abwechslung und extrem hohen (Selbst)-Wiedererkennungswert, noch befördert durch den erneut starken Vortrag des Hauptdarstellers.

Der pendelt gekonnt zwischen Besinnlichkeit ("Chako" nennt es meist Besinnungslosigkeit) und Explosivität, kurpfälzische Gebrauchsdichtkunst wechselt sich ab mit abgedrehten Weihnachtsgeschichten als Gegengewicht zu Standup-Comedy oder konsumkritischen Kabaretttexten. Die ruhigeren Teile bestreitet der Wahl-Bad-Dürkheimer in Kulenkampff-Pose im Ledersessel. Die Requisite leistet hier buchstäblich Schwerstarbeit für Habekost, dem sonst ein Tisch, ein Dubbeglas und eine hochgezogene Hose genügen. Für zusätzliche Kurzweil sorgen knappe Musikeinlagen eines Teils der Band Chako Musik Show (am Piano: Pit Schönpflug, Percussion: Christiane Gavazzoni). Fertig ist die Weihnachts-Revue.

Kurpfälzisches "Dinner For One"

Der erste Teil des Abends entspricht nur ein Stück weit der Erfolgs-CD "Schäni B'Scherung" (2010), die Live-Umsetzung erfüllt alle Erwartungen. Angefangen bei der köstlichen Charakterisierung der hiesigen Weihnachtsmärkte, die inzwischen in jedem noch so kleinen Flecken zwischen Pfälzisch-Sibirien und Odenwald-Sahara kultiviert werden. Laut "Chako" haben sie alle gemeinsam, dass sie "voll sind - mit Leit. Und voll mit Gruscht". Letzteres erweist sich einmal mehr als Zauberwort der Mundart-Komödiantik, das stets quietschendes Entzücken auslöst - vor allem als Teil der "Gruscht-Kischt", der Box voller Weihnachts-Deko, die wohl jeder Haushalt jahrzehntelang mit sich herumschleppt. So trifft Habekost stets den genervten Weihnachtsnerv, rät zur Gelassenheit bis Silvester, für das man so lange pyrotechnisch aufrüstet, bis es für die ultimative Eskalation reicht.

Mit größter Spannung war aber der einzige Programmpunkt nach der Pause erwartet worden: "die radikal-pfälzische Version von ,Dinner For One'". Ein heikles, weil bis ins letzte Detail bekanntes Stück (und im Schatzkistl bereits lange etabliert). Aber unter der Regie von Bettina Habekost agiert "Butler Cako" wie ein Filmkomödiant. Er versorgt seine Miss Sophie (kurpfälzisch-herzig: Margit Romeis) und ihre imaginäre Herrenüberschussrunde mit hochprozentigem Humor - im steten Wechsel von physischer Agilität beim Balanceakt auf dem rosa Eisbärenfell und der livrierten Steifheit eines Theo Lingen. Das muss keine Prozedur für dieses Jahr bleiben, sondern hat das Zeug zum launigen Klassiker für jedes Jahr. Die letzte von 28 Vorstellungen ist am 8. Januar im Capitol angesetzt. Bis dahin ist Chako wie Santa Claus persönlich durch fast alle Kleinkunsthäuser der Metropolregion gezogen.