Die Kur- und Pfalz is so (kli)schee!

04.05.2010 - Chako - Blog

"Aber die Pfalz ist - von außen gesehen - nicht gerade der attraktivste Teil der Provinzen-Republik. Die ans Elsaß grenzende Region ist keine Urlaubsgegend, noch gilt sie als wichtiger Pfeiler des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Bei der Pfalz denken Nord- und Südlichter eher an ‘Weck, Worscht und Woi’, nicht zuletzt an die ‘Määnzer Fassenacht’, obwohl die Gutenbergstadt gar nicht zur Pfalz gehört."

So stands vor ein paar Jahren in der FAZ. Und man merkt sofort, dass hier einer schreibt, der sich auskennt ... in Frankfurt zwar nur oder sonstwo aber uff ken Fall in de Palz. Aber zumindest weiß er, dass Mainz irgendwie damit nix zu tun hat oder so...

Also: immer noch ist die Aussen-Warhnehmung meiner Heimat-Region stereotyp und gefärbt von Klischees.
Wobei ich net behaupten will, dass ein paar Sterotypen durchaus einen wahren Kern haben (könnten).
Zum Beispiel, die Aussage, dass Pfälzer und Kurpfälzer in Bezug auf Wein ziemlich trinkfest sind. Wobei das sogar eher noch ein Understatement ist - siehe Füllmenge des original Pfälzer Schoppenglases: 0,5l, in Worten: ein halber Liter. Was aber nicht heisst, dass hier alle ständig voll sind nur weil ihre Gläser voller sind als anderswo. Nicht umsonst gibt es ein Eingeborenen-Sprichwort: "In de Palz muss ener schunn viel saufe, bis ma saacht 'der trinkt!'"

Noch ein Klischee?

Gut, wir geben zu, dass es nicht ganz der Wahrheit entspräche, würde man sagen, dass die einheimischen Spezialitäten fettarm und feinsinnig auf dem Teller liegen. Schon bei der Übersetzung ins Hochdeutsche wird klar, was es mit der Bodenständigkeit der pfälzer Küche auf sich hat: gefülltes Verdauungsorgan vom Schwein (Saumagen), blutende Würste (Blutworschd), gemetzelte Suppe (Metzelsupp), haarige Knöpfe (hoorische Knepp)...

Trotzdem (oder gerade deshalb?) gibt es hier in der Metropolregion Rhein-Neckar (Pfalz, Kurpfalz, Ried) eine ziemlich beeindruckende Sternen-Dichte. Kreative Gourmet-Köche wie Holger Jacobs im Freinsheimer Hof, Florian Winter in der Deidesheimer Kanne, Jürgen Schneider im Strahlenberger Hof, Schriesheim, Alexander Hess im "Freundstück" zu Deidesheim ... um nur Chakos Favoriten zu nennen.

Und von wegen "Pfälzer Wein", Schoppegläser und Abfüllfeste.
Es gibt Top-Winzer, die mit grandiosen Kreationen wieder an die alte Tradition anknüpfen, als deutscher (Weiß)Wein und dabei auch ganz besonders der pfälzische als der beste der Welt galt ... sogar die Weltbeherrscher-Schrulle Victoria ließ sich damals den Riesling aus der Pfalz ankarren (dazu ein andernmal mehr in meinem nächsten "Weingebabbel"-Blog).

Und darüber hinaus gibt es noch so viele schöne eher unbekannte Sachen zu entdecken in dieser Region, wo die Exoten wohnen zwischen Wein und Rhein und Schloten und Schlotten.
Jeder, der hier wohnt - wohnen darf - weiß das.
Und die anderen sollen es erfahren.
Nur, wie teilt man es der Welt mit.
Neben der "Metropolregion Rhein-Neckar" gibt es noch diverse andere Verbände und Organisationen, die die Region voran bringen wollen.

"Pfalzwein e.V." z.B., die vor ein paar Jahren die schöne Idee hatten, sich von der Chako Music Show, ein Lied schreiben zu lassen: "Pälzer Woi muss es soi", was es auf ihrer Website, als CD immer noch zu kaufen gibt. Siehe: www.pfalz.de

Oder Kurpfalz e.V., ein rühriger Verein, der die historische Kurpfalz als Urlaubsregion vermarkten will, d.h. grenzüberschreitend von Kur- bis Pfalz. Da kam man auf die schöne Idee einen ganzen Film ... Image-Film saacht ma heutzudaach ... zu machen.
Und da ham se den Chako gefragt. Und der alte Lokal-Patridiot konnte natürlich nicht Nein sagen.
Und weil sie auch noch die gute Idee hatten, Filmförderungsgeld zu beantragen, kam ein kleines Budget zusammen, dass es ermöglichte, das Ganze richtig professionell aufzuziehen.
Zusammen mit meinem alten immer jungen Freund Tino Latzko von www.screenday.de aus Neustadt machten wir uns letzen Sommer ans Werk. Vier Tage sind wir durch die Region gefahren und haben die abgefahrensten Dinger gedreht. Die Kern-Idee hinter meinem Drehbuch war eine Nummer aus dem letzten Programm "MundArtacke", bei der ich einen PfEnglish (also pfälzisch-englisch) sprechenden Fremdenführer spielte.
Und damals wusste die Welt noch nichts von all den Mega-Anglisten, den Oettinger und den Westerwelles, die da kommen sollten.

Wie auch immer: das Filmchen-machen im Namen der Region hat einen Riesenspaß gemacht. Ich glaub, das sieht man auch.
Hier die Links: Die Kurpfalz - Sympathische Vielfalt Teil 1, Die Kurpfalz - Sympathische Vielfalt Teil 2

Und demnächst gibts auch die Outtakes zu sehen.
Es lebe die High-mat.


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